August 16, 2019 3 min. Lesezeit

Wir Menschen pflegen eine geradezu exzessive Liebe zum Trinkwasser in Flaschen. In vielen Staaten, sogar den USA, gelten insbesondere die Edel-Wässerchen aus fernen Ländern als ökologisches Teufelszeug. Und das zu Recht, wie Experten immer wieder betonen. Denn selbst wenn die Flaschen nicht aus Italien, Frankreich oder gar von den Fidschi-Inseln eingeflogen werden, ist ihre Öko-Bilanz verheerend.

Deutsche Weltmeister auch im Flaschenwasser-Verbrauch

Leere Flaschen müssen in die Fabrik transportiert werden, dort oft unter hohem Energieeinsatz abgefüllt und von da aus in Supermärkte gebracht werden. Von dort aus wiederum bringt der Endverbraucher das teure Nass heim - aufgrund des hohen Gewichts meist per Auto. Eine Studie in der Schweiz kam im Juli 2008 zu dem Ergebnis, dass im ungünstigsten Fall das Äquivalent von mehr als 0,3 Litern Erdöl verbraucht wird, um einen Liter Flaschenwasser zum Endverbraucher zu bringen. Bei Leitungswasser hingegen werde mit 0,3 Millilitern weniger als ein Tausendstel fällig. Hinzu kommt der Verpackungsmüll, denn längst nicht alle Mehrwegflaschen finden ihren Weg zurück in den Supermarkt. Dennoch nuckeln z.B. die Deutschen wie verrückt an der Flasche: 68 Prozent gaben bei der "Greendex"- Umfrage an, täglich abgefülltes Wasser zu trinken - das ist einsamer Weltrekord.

In Schweden, dem in dieser Hinsicht vorbildlichsten Land, sind es ganze sechs Prozent. Die Skandinavier haben anscheinend schon verinnerlicht, was Experten auch in Deutschland immer wieder, bisher aber vergebens, betonen: dass Leitungswasser zu den am strengsten kontrollierten Nahrungsmitteln gehört und härtere Vorschriften erfüllen muss als abgefülltes Wasser.

Ungekühltes, stilles Mineralwasser verursacht also zwischen 90 und mehr als das 1’000fache höhere Umweltbelastungen als Leitungswasser. Der Unterschied wird umso grösser, je weiter das Mineralwasser transportiert wurde bis es zum Kunden gelangt. Neben der Transportdistanz von der Abfüllung bis zum Haushalt sind auch die gewählten Transportmittel von grosser Bedeutung. Deshalb können auch kurze Transportwege beim Einkauf mit dem Pkw eine grosse Rolle spielen.

„Muss das Wasser der Toilettenspülung wirklich die selbe Qualität, wie das Wasser für den Tee haben?“

Aus Umweltsicht ist es grundsätzlich zu empfehlen, Hahnenwasser als Getränk gegenüber Mineralwasser zu bevorzugen. Eine Kühlung im Kühlschrank oder Wasserdispenser jedoch erhöht die Umweltbelastungen noch einmal deutlich. Wird aus Geschmacksgründen mit CO2-versetztes Wasser bevorzugt, ist auch ein Soda-Gerät ökologisch vertretbar. Das Gerät und die zugehörige Kohlenstoffpatrone müssen allerdings wirklich regelmässig (mehr als 1 Liter pro Tag) und über längere Zeit (mehr als fünf Jahre) genutzt werden damit sich die Anschaffung aus Umweltsicht (und auch finanziell) amortisiert.

Wird ausnahmsweise doch einmal Mineralwasser konsumiert, so ist die Herkunft für die Umweltbelastungen wesentlich relevanter als die Verpackung. Grundsätzlich sollte die Entfernung vom Abfüllort bis zum Konsumenten also möglichst kurz sein. Nur dann lohnt sich auch die Bevorzugung von Mehrwegflaschen oder Behältern.

Insgesamt kann mit dem Verzicht auf Mineralwasser oder mit einer Reduktion des Wasserverbrauchs nur ein relativ kleiner Beitrag für eine Reduktion der persönlichen Umweltbelastungen erreicht werden, da der Wasserkonsum nur einen kleinen Teil zu den gesamten Umweltbelastungen beiträgt.

Nahrungsmittel und Getränke sind für Konsumenten aber oftmals ein erster Ansatzpunkt sich mit ökologischem Verhalten zu befassen. Die Empfehlungen hinsichtlich kurzen Transportwegen, weniger Kühlung oder sparsamem Umgang mit Ressourcen gelten auch für andere Getränke (z.B. Bier, Wein, Saft, etc.) oder Nahrungsmittel und können so unter Umständen eine grössere Tragweite entwickeln.

Für die Betreiber der Wasserversorgungen lassen sich für das Trinkwasser folgende Handlungshinweise ableiten. Wesentlich für die verursachten Umweltbelastungen ist die Infrastruktur und hier insbesondere die Rohrleitungen. Bei Neubau und Instandhaltung sollten also möglichst umweltfreundliche Materialien und Verfahren eingesetzt werden.

„Heute fließt das Wasser unserer Flüsse nicht nur durch die Städte, sondern auch durch die Einwohner.“

Ein weiterer Punkt ist der Stromverbrauch. Wasserverluste in den Verteilerleitungen und der Eigenverbrauch können die Umweltbelastungen des Leitungswassers beim Kunden deutlich erhöhen. Deshalb sollte der Umgang auch mit Leitungswasser immer achtsam erfolgen. Denn der Aufwand bis dieses qualtitativ hochwertige Wasser bei uns im Hause angelangt, ist uns nur selten bewusst wenn wir den Hahn aufdrehen. In vielen Ländern werden wir dafür beneidet.


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